ACE-Studie: die gesundheitlichen Folgen belastender Kindheitserfahrungen und was du dagegen tun kannst

Wusstest du, dass belastende Kindheitserfahrungen deine körperliche und seelische Gesundheit langfristig beeinflussen können?

Hast du dich schon mal gefragt, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen belastenden Erfahrungen in deiner Kindheit und deinen heutigen gesundheitlichen Problemen?

Die bahnbrechende ACE-Studie (Adverse Childhood Experiences) (Belastende Kindheitserfahrungen) aus den 1990er Jahren belegt eindeutig, dass eine Verbindung zwischen eben solchen Kindheitserfahrungen und späteren gesundheitlichen Problemen besteht. Die Ergebnisse der Studie sind nicht nur für jeden persönlich wichtig, sie haben auch eine gesellschaftliche Relevanz. Sie zeigen, dass von belastenden Erfahrungen und ihren Auswirkungen nicht nur einige wenige betroffen sind, sondern viele. Die Studie macht auch klar, wie wichtig ganzheitliche Therapieansätze sind, sowohl präventiv als auch heilend.

Was ist die ACE-Studie?

Die ACE-Studie wurde von dem Arzt Dr. Vincent Felitti und dem Epidemiologen Robert Anda durchgeführt.

Das, was in dieser Untersuchung als belastende Kindheitserfahrung bezeichnet wurde, wird heute als Entwicklungstrauma verstanden. Was ein Entwicklungstrauma ausmacht, erläutere ich ausführlicher unter Punkt 4.

Dr. Felitti beschäftigte sich damals mit Adipositas-Forschung. Er wunderte sich, warum viele Patient*innen nach einer erfolgreichen Gewichtsabnahme wieder an Gewicht zunahmen und begann dieser Frage nachzugehen. Dabei stellte er fest, dass viele dieser Patient*innen traumatische Kindheitserfahrungen gemacht hatten. Er wurde neugierig: Gab es weitere gesundheitliche Auswirkungen von belastenden Kindheitserfahrungen?

Um genauer zu untersuchen, welchen Einfluss traumatische Erfahrungen in der Kindheit auf die körperliche und seelische Gesundheit im Erwachsenenalter haben, entwickelten Felitti und Anda die ACE-Studie. Sie befragten über 17.000 Teilnehmer*innen einer amerikanischen Krankenversicherung nach ihrem aktuellen Gesundheitszustand sowie nach ihren Kindheitserfahrungen. Der eigens dafür entwickelte Fragebogen bestand aus zehn Fragen. Pro mit „ja“ beantworteter Frage wurde ein Punkt vergeben.

Die 10 Fragen des ACE-Fragebogens

Die 10 Fragen lauteten wie folgt:

Haben Sie bis zu Ihrem 18. Lebensjahr

  • emotionalen Missbrauch erlebt?
  • körperlichen Missbrauch erlebt?
  • sexuellen Missbrauch erlebt?
  • emotionale Vernachlässigung erlebt?
  • körperliche Vernachlässigung erlebt?
  • Sind Sie Zeuge von Gewalt gegen Ihre Mutter gewesen?
  • Haben Sie einen Elternteil durch Trennung oder Scheidung verloren?
  • Gab es Suchtmittelmissbrauch im Haushalt?
  • War ein Elternteil psychisch krank?
  • War ein Familienmitglied im Gefängnis?

Belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko für gesundheitliche Probleme im späteren Leben

In der ACE-Studie haben mehr als die Hälfte der 17.000 Teilnehmer*innen mindestens eine der zehn Fragen mit „ja“ beantwortet. Viele bejahten sogar mehrere Fragen.

Die Schlussfolgerungen aus der ACE-Studie sind eindeutig: Es besteht eine klare Verbindung zwischen belastenden Kindheitserfahrungen und später auftretenden gesundheitlichen Problemen. Das Risiko steigt mit der Anzahl der bejahten Fragen. Teilnehmer mit höheren Punktzahlen wiesen ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen und Krebs auf. Auch psychische Gesundheitsprobleme, Suchterkrankungen und soziale Schwierigkeiten traten signifikant häufiger bei Personen mit höheren Punktzahlen auf.

Diese Erkenntnisse betonen die Wichtigkeit von Prävention und ganzheitlichen Therapieansätzen!

Die Ergebnisse der Studie sind unabhängig von der sozialen Schicht, von Einkommen, Herkunft oder Kultur zu verstehen.

Was ist ein Entwicklungstrauma?

Ein Entwicklungstrauma umfasst frühe traumatische Erfahrungen, die tiefgreifende Auswirkungen auf dein Selbstbild, deine Lebendigkeit und deine Lebenskraft haben.

Dein Nervensystem ist bei deiner Geburt noch nicht vollständig ausgereift und entwickelt sich bis ins junge Erwachsenenalter weiter. Als Kind verfügst du über begrenzte Fähigkeiten, um mit Belastungen umzugehen. Liebevolle Zuwendung von Erwachsenen und eine sichere Bindung zu einer Bezugsperson sind entscheidend für eine gesunde Entwicklung. Du benötigst Trost und Bestärkung, um dich zu beruhigen, Sicherheit zu empfinden und dich auszuprobieren. Fehlt dieser Schutz, geraten Kinder in ein überwältigendes Gefühl von Angst und Hilflosigkeit. Auch vermeintlich „normale“ Ereignisse, können von Kindern als beängstigend und überwältigend erlebt werden.

Es ist eindeutig, dass körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen traumatisch sind. Hingegen sind emotionale Gewalt oder Vernachlässigung schwerer greifbar. Dazu zählen Bestrafung durch Nichtbeachtung und Schweigen, Demütigungen, Beschimpfungen und Manipulation durch das Infragestellen deiner Realität und deiner Emotionen. Dies kann dazu führen, dass du das Gefühl für dich und deine Bedürfnisse völlig verlierst. Du fühlst dich falsch, als stimme mit dir etwas nicht. Insbesondere emotionaler Missbrauch erhöht die Schmerzsensibilität im späteren Leben.

Belastende Erfahrungen können auch eine schwierige Geburt, medizinische Untersuchungen, Umzüge, Armut, die psychische Erkrankung eines Elternteils oder die Trennung der Eltern sein. Vielleicht dachten deine Eltern, man solle Kinder schreien lassen, um sie nicht zu verwöhnen, oder du hast ein Geschwisterchen bekommen, als du selbst noch sehr klein warst.

Transgenerationale Traumatisierungen spielen ebenfalls häufig eine Rolle. Heutzutage ist bekannt, dass Traumata vererbt werden können. Ist einer deiner Großeltern im Krieg gestorben? War deine Großmutter mit deiner Mutter auf der Flucht? Existiert ein Familiengeheimnis, das nie offen besprochen wird?

Beispiel eines Entwicklungstraumas

Schon als Kind hast du früh Verantwortung für das Wohlergehen eines Elternteils übernommen, sei es aufgrund einer Trennung oder der (psychischen) Krankheit eines Elternteils. In diesem Umfeld blieb wenig Raum für deine Bedürfnisse, für dein Kindsein. Du musstest zwangsläufig lernen, dich anzupassen und deine eigenen Emotionen zu unterdrücken. Diese Anpassung diente als Schutzmechanismus, der so gut funktionierte, dass du im Laufe der Zeit den Kontakt zu deinen eigenen Wünschen und Gefühlen völlig verloren hast.

Mir ist es wichtig zu betonen, dass Entwicklungstraumata nicht zwangsläufig durch Gewalt entstehen. Selbst wenn, wie in diesem Beispiel, keine „böse Absicht“ dahinter stand, ändert das nichts an der Tatsache, dass du als Kind nicht die liebevolle Unterstützung und Sicherheit hattest, die für deine gesunde Entwicklung nötig gewesen wäre. Du musstest eine Rolle übernehmen, die nicht kindgerecht war und die für jedes Kind überfordernd gewesen wäre.

Jetzt als Erwachsener fällt es dir schwer, deine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und als legitim anzuerkennen. Dein hoher Leistungsanspruch und ein anspruchsvolle Job führen dazu, dass du immer wieder über deine eigenen Grenzen gehst, so wie du es schon in der Kindheit gelernt hast. Ständige Anspannung, Ängste, schlechter Schlaf und Beschwerden im Magen-Darm-Bereich oder eine Mirgräne können die Folge sein. Medikationen oder Entspannungsübungen bringen immer mal wieder Erleichterung, lösen aber das grundsätzliche Problem nicht.

Symptome von Entwicklungstrauma, mit denen Menschen in meine Praxis kommen

Die körperlichen und seelischen Symptome, die sich im Zusammenhang mit einem Entwicklungstraumas manifestieren können, sind äußerst vielfältig. Manchmal ist es die Summe von Ereignissen, die überhandnimmt und dich letztendlich krank werden lässt. Vielleicht geht es dir schon länger nicht richtig gut und dann passiert noch ein Unfall. Der ist dann das berühmt I-Tüpfelchen, das dich völlig aus der Bahn wirft.

Hier sind einige Beispiele von Symptomen, mit denen Menschen in meine Praxis kommen.

  • hohe körperliche Anspannung
  • ständige psychische Anspannung, ständigunter Strom stehen
  • chronische (wandernde) Schmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Migräne, Spannungskopfschmerzen
  • Anhaltende Schmerzen oder Ängste nach Unfällen oder Operationen
  • Herzrythmusstörungen
  • Herzrasen
  • flache Atmung
  • Hashimoto
  • Chronische Gastritis
  • Morbus Crohn
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Unsicheres Lebensgefühl
  • Schlafprobleme
  • Erschöpfung
  • Schleudertrauma
  • Globus Hystericus
  • Depression
  • Panikattacken
  • Ängste

Fazit

In den vergangenen Jahren ist viel zu Trauma geforscht worden und es gibt zahlreiche neue Erkenntnisse. Trauma ist nicht einfach das Ereignis an sich, sondern vielmehr die Veränderung im Gehirn und im Körper, die durch dieses Ereignis ausgelöst wird und die dein heutiges Denken und Handeln maßgeblich beeinflusst und vielschichtige gesundliche Langzeitfolgen haben kann.

Es gibt viele traumainformierte therapeutische Ansätze, die dich auf deinem Heilungsweg unterstützen können. Wichtig finde ich, für sich selber die Verbindung überhaupt erstmal herzustellen. Viele Menschen sagen über ihre Vergangenheit „so schlimm war es ja gar nicht“ – doch, so schlimm war es.

Es lohnt sich immer, den Weg der Heilung einzuschlagen. Gerne stehe ich dir zur Seite, sei es online oder in meiner Praxis in Odenthal, mit körperorientierter Traumatherapie, die darauf abzielt, dein Nervensystem zu regulieren. Wenn dein Nervensystem versteht, dass die Gefahr vorüber ist, und nicht ständig eine neue Stressreaktion initiieren muss, findest du wieder mehr zu dir selber und Symptome können sich beruhigen.

Informiere dich gerne auf meiner Website oder buch direkt dein kostenloses und unverbindliches Kennenlerngespräch!

Stefanie Wittiber-Schmidt

Stefanie Wittiber-Schmidt

Heilpraktikerin, Somatic Experiencing, Rolfing Strukturelle Integration, Integrale Somatische Psychologie

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