Wieso unterdrückte Emotionen Symptome verursachen und was du dagegen tun kannst

Schwierige Gefühle zu unterdrücken ist verständlich, auf Dauer aber keine gute Idee. Sie wieder zuzulassen kann dir helfen, Symptome zu verbessern.

Es ist zutiefst menschlich, Emotionen wie Angst, Wut, Trauer oder Scham nicht fühlen zu wollen. Niemand möchte leiden, das liegt in unserer menschlichen Natur. Gleichzeitig hat jeder Mensch Emotionen, auch die schwierigen, und sie haben eine Botschaft für dich. Emotionen zu unterdrücken, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, kann auf Dauer vielfältigte körperliche oder seelische Symptome verursachen.

Irgendwo habe ich mal gelesen, „Gefühle, die du unterdrückst, verschwinden nur, um Verstärkung zu holen“. Das kann ich aus meiner Erfahrung in der Praxis nur bestätigen. Gefühle können sich aber auch verändern und heilen, wenn du dich auf sie einlässt.

In diesem Artikel geht es darum, wieso und wie du deine Gefühle unterdrückst, es geht um die gesundheitlichen Folgen und was du selbst tun kannst, um dich deinen Emotionen zuzuwenden und sie zuzulassen.

Die Begriffe Emotionen und Gefühle verwende ich hier synonom.

Warum unterdrückst du deine Gefühle?

Deine Gefühle zu unterdrücken ist ein Schutzmechanismus, der dir hilft, den damit verbunden Schmerz auf Abstand zu halten. Kurzfristig ist das erleichternd, langsfristig keine gute Strategie.

Fällt es dir schwer, deine Emotionen zu fühlen oder zu benennen? Wird dir unbehaglich zumute, wenn dein Gegenüber emotional wird? Fühlst du dich dann hilflos oder gestresst? Hältst du Emotionen im Grunde für überflüssige Gefühlsduselei?

Natürlich möchtest du nicht mitten in einem Teammeeting in Tränen ausbrechen. Oder du steckst in schwierigen Verhandlungen und brauchst einen kühlen Kopf, dann schluckst du deinen Ärger lieber runter. Schwierig wird es, wenn du das dauernd tust.

Den Umgang mit Emotionen lernst du in deiner Kindheit. Waren deine Eltern emotional nicht verfügbar und konnten mit deinen Gefühlen nicht umgehen, dann hast du schon früh gelernt, deine eigenen Emotionen wegzudrücken. Diese gut gelernte und früher einmal sehr sinnvolle Verhaltensweise gibst du nicht so ohne weiteres auf.

Erwähnen möchte ich noch, es sind nicht unbedingt nur Angst, Trauer o. ä., die du von dir schiebst. Vielen Menschen fällt es sehr schwer, sich angenehme Gefühle zu erlauben.

Wie unterdrückst du deine Emotionen?

Es gibt viele Wege, Emotionen bewusst oder unbewusst zu unterdrücken. Ich greife hier drei Möglichkeiten auf:

  • Eine wirkungsvolle Strategie ist die Ablenkung: nimmst du bei Stress gerne dein Handy zur Hand und scrollst erstmal ausgiebig durch die sozialen Medien? Vielleicht gehst du auch an den Kühlschrank oder zum Joggen oder du stürzt dich in die Arbeit? Indem du dich mit etwas anderem beschäftigst, tritt die Emotion in den Hintergrund. Vielleicht machst du das gezielt, vielleicht ist dir aber nicht einmal bewusst, dass du damit gerade einem unangenehmen Gefühl ausweichst.
  • Es kann sein, dass du zu manchen Emotionen eher einen Zugang hast, als zu anderen: Du fühlst dich in einer Situation ungerecht behandelt und reagierst sehr verärgert. Dieser Ärger hilft dir, nicht fühlen zu müssen, dass du eigentlich tief gekränkt und verletzt bist. Ärger ist dir bekannnter und für dich weniger schmerzlich. Er fungiert hier als eine Art Ersatzemotion.
  • Gleiches Prinzip, das überwiegend Frauen betrifft: du reagierst überlicherweise mit Traurigkeit auf Schwierigkeiten. Eigentlich bist du wütend, aber die Wut erlaubst du dir nicht, aus Angst vor den Konsequenzen. Vielleicht hast du gelernt, deine Wut so tief in dir zu vergraben, dass du sie selbst nicht mehr fühlen kannst, und doch ist sie da.
  • Ein weiteres Ausweichmanöver ist es, auf die kognitive Ebene zu gehen. Du denkst über eine Situation nach, betrachtest sie von allen Seiten und analysierst die daran Beteiligten. Dadurch vermeidest du, ins Fühlen zu kommen. Auch die Abwertung anderer hilft, die eigene Verletztheit zu wandeln. Jemand anderen herabzuwürdigen lindert das Gefühl, abgelehnt worden zu sein.

Wieso verursachen unterdrückte Emotionen Symptome?

Eine Emotion drückt aus, wie sich eine Situation auf dein Wohlbefinden auswirkt. Ganz basal bedeutet das erstmal, entweder du fühlst dich gut oder du fühlst dich nicht gut im Kontakt mit diesem Menschen, mit dieser Aufgabe, in dieser Diskussion u. s. w.

Fühlst du dich nicht gut, reagiert dein Körper mit Anspannung, dein Nervensystem initiiert eine Stressreaktion. Auf der biologischen Ebene sind Kampf oder Flucht die Mittel der Wahl, dich aus dieser, als bedrohlich wahrgenommenen, Situation zu retten. Machst du einfach weiter, als sei nichts geschehen, findet für deinen Körper keine Entwarnung statt.

Eine Emotion kann dir einen Hinweis geben, wo du über deine Grenzen gehst oder wo andere deine Grenze überschreiten. Kümmerst du dich aufopfernd um andere, vergisst dich aber selbst dabei, dann zieht dein Körper irgendwann den Stecker und du landest im Burnout. Oder du entwickelst chronische Schmerzen, weil du dich wahnsinnig anstrengst, ständig eine perfekte Leistung zu erbringen.

„Geh Du vor“, sagte die Seele zum Körper, „auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf Dich.“ „Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben“, sagte der Körper zur Seele.

© Ulrich Schaffer

unterdrückte Gefühle verursachen körperliche Symptome

  • chronisch angespannte Muskulatur
  • flache Atmung
  • chronische Schmerzen: Rückenschmerzen, Schulter-/Nackenschmerzen, Kopfschmerzen
  • Migräne
  • Magen- / Darmprobleme
  • Herzrasen / Bluthochdruck
  • Fibromyalgie
  • Erschöpfung / Chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Burnout
  • innere Unruhe
  • Schlafstörungen

unterdrückte Gefühle verursachen seelisch / geistige Symptome

  • Depression
  • Ängste und Panikattacken
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen

Was du selbst tun kannst, um deine Emotionen zuzulassen

Emotionen möchten gesehen werden. Sie möchten validiert werden. Du kannst dich fragen, wie fühle ich mich eigentlich gerade? Gut oder nicht? Und wenn es dir nicht gut geht, was fühlst du dann? Trauer, Scham, Schuld, Angst? Das erst einmal anzuerkennen ist der erste Schritt, um einen guten Umgang mit deinen Gefühlen zu finden.

  • Emotionen zulassen: Vielleicht kannst du deinem Gefühl mit Neugier begegnen? „Ah, ist ja interessant. Ich ziehe mich gerade innerlich zurück oder ich werde aggressiv, warum eigentlich? Fühle ich mich abgewertet, nicht ernst genommen, überfordert oder bedrängt?“
  • Meditation hilft dir kurz innezuhalten und ohne Wertung auf das zu schauen, was du im Hier und Jetzt erlebst.
  • Selbstmitgefühl: Geh nicht so streng mit dir ins Gericht. Sprich mit dir so, wie du mit einer guten Freundin reden würdest: „Ja, das was ich da erlebt habe, ist beängstigend.“
  • Mach dir klar, es ist nur ein Gefühl und es geht vorüber, egal wie schlimm es sich gerade anfühlen mag.

Ist eine Emotion zu schwierig und droht, dich zu überwältigen, ist es hilfreich, dich erstmal zu beruhigen:

  • Regulation durch Atemübungen: Über den Atem kannst du direkt mit deinem autonomen Nervensytem kommunizieren. Achte darauf, gleich lang ein- und auszuatmen oder sogar den Ausatem zu verlängern. Damit aktivierst du deinen Parasysmpathikus, der für Entspannung sorgt.
  • Singen: Ist in gewisser Weise auch eine Atemübung und du benutzt Muskeln, die wiederum über bestimmte Nervenzellen deinen Parasympathikus ansprechen.
  • Regulation durch somatische Übungen
  • Bewegung
  • Journaling

Das sind Möglichkeiten, die dir helfen können, mit deinen Emotionen in Kontakt zu kommen bzw. die dir helfen, dich zu regulieren, wenn die Emotion zu bedrohlich wird.

Oft ist es die Angst vor der Emotion, vor dem Schmerz, der da drin steckt, die die Stressspirale aufrecht erhält. Dann kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Fazit: Emotionen zulassen, um zu heilen

Jeder Mensch hat Emotionen und sie zu unterdrücken mag sich vorübergehend gut anfühlen, langfristig ist es keine gute Idee. Je mehr du versuchst sie zu deckeln, desto mehr werden sie sich dagegen stemmen, weil sie gesehen und gewürdigt werden wollen. Ja, du hast Angst, oder du fühlst Scham, und dafür gibt es einen Grund. Das überhaupt einmal anzuerkennen, macht schon einen großen Unterschied.

Emotionen, die du zulässt, können heilen. Damit verringert sich die Gefahr, gesundheitliche Symptome zu entwickeln. Auch dein Denken und dein Verhalten insgesamt können sich verändern, wenn du dir erlaubst deine Gefühle zu fühlen.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn dir das alleine schwerfällt. Gerne unterstütze und begleite ich dich. Vereinbare gerne einen regulären Termin oder ein kostenloses Vorgespräch.

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Stefanie Wittiber-Schmidt

Heilpraktikerin, Somatic Experiencing, Rolfing Strukturelle Integration, Integrale Somatische Psychologie

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2 Kommentare zu „Wieso unterdrückte Emotionen Symptome verursachen und was du dagegen tun kannst“

  1. Liebe Stefanie, danke für diesen wertvollen Beitrag! Als (Ex-)Lehrerin habe ich im Schulalltag oft meine Gefühle erstmal unterdrücken müssen, um zu funktionieren.
    Daher kenne ich nur zu gut die Auswirkungen …
    Deine Tipps zur Selbstberuhigung finde ich sehr hilfreich und alltagstauglich.
    Danke!
    Martina

    1. Avatar-Foto
      Stefanie Wittiber-Schmidt

      Liebe Martina,
      danke sehr für Dein Feedback. Ja, das leidige Funktionieren-Müssen richtet häufig Schaden an. Ich freue mich, dass Du meine Tipps hilfreich findest!
      Herzliche Grüße Stefanie

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