Symptome eines Schocktraumas erkennen und auflösen mit Somatic Experiencing

Schocktrauma verstehen und lösen – Ursachen, Symptome und wirksame Heilungswege mit Somatic Experiencing.

Ein Schocktrauma entsteht durch ein plötzliches, überwältigendes Ereignis. Doch an welchen Symptomen erkennst du ein Schocktrauma? Und warum bleibt dein Nervensystem im Alarmzustand, obwohl die Situation längst vorbei ist?

Viele Betroffene fühlen sich Wochen oder Monate später nicht mehr wie sie selbst und haben Schwierigkeiten, ihren Alltag zu bewältigen. In diesem Artikel erfährst du, wie ein Schocktrauma entsteht, welche Symptome typisch sind und wie Somatic Experiencing deinem Nervensystem helfen kann, wieder Sicherheit zu erleben.

Zusammenfassunng:
Schocktrauma Symptome entstehen, wenn dein Nervensystem nach einem überwältigenden Ereignis im Alarmzustand bleibt. Typisch sind Flashbacks, Vermeidung, innere Anspannung, Schlafstörungen und emotionale Taubheit. Körperorientierte Therapien wie Somatic Experiencing helfen, gebundene Stressenergie zu lösen und unterbrochene Verteidigungsimpulse zu vervollständigen.

Typische Symptome eines Schocktraumas

Die Hauptsymptome eines Schocktraumas sind Wiedererleben, Vermeidung und erhöhte Wachsamkeit. Diese Symptome sind die Kriterien dafür, dass ein Arzt diagnostizieren kann, dass du ein Trauma erlebt hast und unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leidest.

Dies ist eine Liste von möglichen Symptomen:

  • du erlebst Flashbacks. Das sind Erinnerungsfetzen, die durch äußere Reize, wie etwa Geräusche oder Gerüche, getriggert werden können. Wenn du etwa das gleiche Lied im Radio hörst, das im Augenblick des Unfalls lief. Oder etwas riechst, das dich an die jeweilige Situation erinnert.
  • du verdrängst das Geschehene und möchtest nicht darüber sprechen
  • du vermeidest z. B. die Kreuzung, an der der Unfall geschah oder gehst nicht mehr zum Sport, wenn es sich um einen Sportunfall handelt.
  • du kommst innerlich nicht zur Ruhe, bist ständig angespannt und gereizt
  • es fällt dir schwer, dich zu konzentrieren
  • du bist sehr schreckhaft
  • du schläfst schlecht und hast Albträume
  • du fühlst dich nicht mehr wie du selbst, bist innerlich wie betäubt
  • du wirst gleichgültig gegenüber Menschen oder Dingen, die dir vorher wichtig waren
  • du entwickelst Ängste, eine Depression oder Schmerzen
  • du fühlst dich mitschuldig an dem, was geschehen ist, auch wenn du objektiv keine Schuld trägst

Was ist ein Schocktrauma?

Als Schocktrauma wird ein Ereignis bezeichnet, das so überwältigend ist, dass dein Körper und deine Psyche es nicht verarbeiten können. Es geschieht zu viel, zu schnell, zu plötzlich. Anders als bei einem Schock, beruhigt sich dein Körper bei einem Trauma nicht wieder von alleine. Auch Wochen nach dem Ereignis fühlst du dich nicht mehr wie du selbst und leidest unter verschiedenen Symptomen.

Das eigentliche Trauma ist dabei nicht das Ereignis per se, sondern die Auswirkung, die dieses Ereignis auf dich hat.

Trauma ist nicht das, was dir passiert, sondern das, was in dir passiert.

Gabor Maté

Schocktrauma Ursachen: mögliche Auslöser im Überblick

Mögliche Auslöser für ein Schocktrauma gibt es viele, jedoch führen sie nicht bei jedem Menschen zwangsläufig zu einem Trauma. Auch bei ähnlichen Ereignissen reagieren Menschen unterschiedlich: Während sich die eine schnell erholt, entwickelt die andere ein Trauma.

Ein Verkehrsunfall beispielsweise kann für dich eine weitaus schlimmere und traumatisierende Erfahrung sein, wenn du früher bereits einmal einen schweren Unfall hattest. Dein Beifahrer, dem die vorherige Erfahrung erspart geblieben ist, ist dann zwar auch geschockt, kann aber den Schreck des Unfalls nach einer Weile verarbeiten und erholt sich wieder.

Folgende Ereignisse können ein Schocktrauma auslösen:

  • Naturereignisse wie Flutkatastrophen oder Erdbeben
  • Verkehrsunfälle
  • Sportunfälle
  • Stürze
  • medizinische Untersuchungen oder Behandlungen
  • eine medizinische Diagnose
  • der Verlust eines nahestehenden Menschen
  • körperliche Gewalt
  • ein sexueller Übergriff
  • ein Einbruch in dein Zuhause
  • eine Kündigung
  • Augenzeuge eines schlimmen Ereignisses zu sein

Warum dein Nervensystem bei einem Schocktrauma alarmiert bleibt

In einer Situation, in der du verängstigt bist und dich hilflos und ohnmächtig fühlst, werden deine natürlichen Verteidigungsimpulse von Kampf oder Flucht unterbrochen oder stehen dir erst gar nicht zur Verfügung. Stattdessen erstarrst oder kollabierst du vor Schreck (Totstellreflex). Das hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern ist eine autonome Reaktion deines Nervensystems, um dich zu schützen. Du hast darauf keinen willentlichen Einfluss.

Im Augenblick der Gefahr wird dein Gehirn überflutet von Sinneseindrücken und Informationen, die es nicht bewältigen kann. Daher wird das Geschehene nicht als zusammenhängende und vergangene Erfahrung im entsprechenden „Gehirn-Regal“ abgelegt. Gewöhnliche Ereignisse sind in deinem Hippocampus so abgelegt, dass dein Nervensystem versteht, dass sie vorbei sind. „Ah, in diesem italienische Restaurant habe ich mich vor Jahren mal mit meiner Partnerin gestritten.“ Der Streit war in der Vergangenheit, heute seid ihr ein glückliches Paar.

Diese Einsortierung fehlt bei einem Trauma. Dein Nervensystem bleibt in einem Alarmzustand und für dich fühlt es sich an, als bestehe die Bedrohung noch immer. Deine Erinnerung besteht aus fragmentierten Bruchstücken, die dich unerwartet in Form von Flashbacks „überfallen“ können und sich so schlimm anfühlen, als passiere das Ereignis genau jetzt in diesem Moment.

Warum Menschen mit Entwicklungstrauma anfälliger für ein Schocktrauma sind

Nicht selten haben Menschen bereits früher Schweres durchgemacht und das neue Ereignis trifft auf ein Nervensystem, das bereits vorbelastet ist. Dadurch steigt das Risiko, von dem neuen Ereignis überwältig zu werden und ein Trauma zu entwickeln.

Vor allem Kinder haben weniger Kapazität bedrohliche Erfahrungen zu verarbeiten. Ihr Nervensystem entwickelt sich erst im Laufe der Jahre und bis dahin brauchen sie Erwachsene, die sie schützen und ihnen helfen sich sicher zu fühlen. Fehlt diese Sicherheit in der Kindheit oder wird ihnen etwas angetan, sprechen wir von einem Entwicklungstrauma, mit langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen und weniger Kapazität, neue schwierige Situationen zu bewältigen.

Insofern ist es immer möglich, dass eine Situation, die du selbst als gar nicht so schlimm erlebst, für jemand anderen ganz furchbar ist, und umgekehrt.

Fingerpflaster aufkleben als Symbol für Unfall verarbeiten
Auch ein Ereignis, das du gar nicht so schlimm findest, kann bei einer anderen ein Trauma auslösen.

Traumasymptome werden nicht durch das äußere Ereignis verursacht. Sie entstehen, wenn überschüssige Energie nach dem traumatischen Ereignis nicht aus dem Körper entladen wird. Diese Energie bleibt im Nervensystem gebunden und kann auf Körper und Geist verheerende Auswirkungen haben.

Peter Levine

Somatic Experiencing bei Schocktrauma Symptomen: So wirkt die Methode

Ein Schocktrauma löst sich leider nicht von alleine auf. Daher empfiehlt es sich, dir professionelle Hilfe zu holen. Als Somatic Experiencing Therapeutin möchte ich dir hier gerne kurz diese körperorientierte Methode vorstellen, die sehr wirkungsvoll ist.

Dein Verstand weiß natürlich, dass die Situation vorüber ist und du im Augenblick sicher bist. Nur leider hat diese kognitive Einsicht keinen Einfluss auf deinen Körper. Dein Körper, vor allem dein Reptiliengehirn, wähnt sich noch immer in Gefahr. Somatic Experiencing hilft deinem Körper zu verstehen, dass das Erlebte vorüber ist und du jetzt sicher bist.

Dem zu viel, zu schnell, zu plötzlich des Ereignisses begegnen wir in der Therapie mit Verlangsamung und kleinschrittiger Verarbeitung. Dadurch bekommt dein Körper Zeit zum Orientieren, zum Entladen gespeicherter Traumaenergie und zur Vollendung unterbrochener Verteidigungsimpulse. Was mit letzterem gemeint ist, und wie Vervollständigung mein Weihnachten gerettet hat, kannst du in diesem Blogartikel nachlesen.

Fazit: Die Symptome eines Schocktraumas können heilen

Auch wenn ein Schocktrauma nicht von alleine heilt, kann es doch mit der richtigen Therapie überwunden werden.

Somatic Experiencing ist eine körperorientierte Traumatherapie, die dir helfen kann, das Trauma zu verarbeiten und dein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Wie lange eine Therapie dauert, lässt sich leider nicht sagen. Das hängt nicht nur von der Schwere des jeweiligen Ereignisses, sondern auch von deinen früheren Erfahrungen ab.

Leidest du unter den Folgen eines Schocktraumas? Vereinbare hier dein kostenloses Kennenlerngespräch!

Bild von Stefanie Wittiber-Schmidt

Stefanie Wittiber-Schmidt

Heilpraktikerin, Somatic Experiencing, Rolfing Strukturelle Integration, Integrale Somatische Psychologie

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