Was ist ein Schocktrauma? Ursachen und Symptome im Überblick

Wie kommt es zu einem Schocktrauma? Woran kannst du es erkennen und was kannst du tun?

Hast du dich schon mal gefragt, ob das, was du erlebt hast, in die Kategorie Schocktrauma fallen könnte? Denkt ein Teil von dir denkt, so schlimm war es ja auch wieder nicht, schließlich hast du ja überlebt; spürt ein andere Teil jedoch genau, in dir hat sich etwas verändert? Fühlst du dich nicht mehr wie du selbst? Hast du bisher angenommen, Traumata erlebten nur Menschen in Kriegsgebieten? Tatsächlich sind auch hier bei uns Schocktraumata an der Tagesordnung.

Ich hoffe, du findest in diesem Artikel mehr Klarheit für dich. Was ist ein Schocktrauma? Wodurch wird es hervorrufen? An welchen Symptome kannst du ein Schocktrauma erkennen? Und, ganz wichtig, was hilft dir, ein Schocktrauma zu überwinden? Auf diese Punkte gehe ich hier ein und wünsche dir, dass du deine Antworten findest.

Was ist ein Schocktrauma?

Ein Schocktrauma entsteht durch ein einmaliges Ereignis. Ein Ereignis, bei dem zu viel, zu schnell, zu plötzlich geschieht. Ein Ereignis, das du als so bedrohlich und überwältigend erlebst, dass du dich davon nicht wieder erholst – auch nicht nach ein paar Wochen.

Ob eine Erfahrung traumatisch wird, liegt nicht ausschließlich am Ereignis als solchem. Es können durchaus mehrere Menschen das gleiche erleben, z. B. die Flutkatastrophe im Ahrtal, aber nicht alle entwickeln eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Entscheidend ist dein persönliches Empfinden von großer Angst und Hilflosigkeit. Wie bedroht und überwältigt hast du dich gefühlt?

Wieso reagieren Menschen unterschiedlich?

Nicht selten haben Menschen bereits früher Schweres durchgemacht und das neue Ereignis trifft auf ein Nervensystem, das bereits vorbelastet ist. Dadurch steigt das Risiko, von einem neuen Ereignis überwältig zu werden und ein Trauma zu entwickeln.

Ein Verkehrsunfall beispielsweise kann für dich eine weitaus schlimmere und traumatisierende Erfahrung sein, wenn du früher bereits einmal einen schweren Unfall hattest. Dein Beifahrer, dem die vorherige Erfahrung erspart geblieben ist, ist dann zwar auch geschockt, aber möglicherweise kann er den Schreck des Unfalls nach einer Weile verarbeiten und entwickelt kein Trauma.

Kinder haben weniger Kapazität bedrohliche Erfahrungen zu verarbeiten. Ihr Nervensystem entwickelt sich erst im Laufe der Jahre und bis dahin brauchen sie Erwachsene, die sie schützen und ihnen helfen sich zu beruhigen. Daher können v. a. wiederholte schlimme Erlebnisse in der Kindheit langfristige gesundheitliche Auswirkungen haben.

Insofern ist es immer möglich, dass eine Situation, die du selbst als gar nicht so schlimm erlebst, für jemand anderen ganz furchbar ist, und umgekehrt.

Was geschieht in deinem Nervensystem?

Die natürlichen, biologischen Reaktionen deines Körpers auf eine Bedrohung sind Kampf oder Flucht. Um dich mit der entsprechenden Energie zu versorgen, werden dafür Stresshormone ausgeschüttet. Außerdem erhöht sich die Blutzufuhr in deinen Muskeln, dein Herzschlag beschleunigt sich und du atmest schneller. Diese physischen „Maßnahmen“ sollen dich in die Lage versetzen, dich aktiv in Sicherheit zu bringen – indem du wegläufst oder dich zur Wehr setzen kannst.

Bist du vor lauter Angst und Schreck oder weil die Situation es nicht erlaubt, nicht im Stande dich zu bewegen, bleiben bestimmte Feedbackimpulse an dein Gehirn, die besagen „hey, ich hab’s geschafft“, aus. Deine Stressreaktion findet auf der biologischen Ebene keinen Abschluss und dein Gehirn zieht daraus den Schluss, dass du immer noch in Gefahr bist. Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, der unterschiedlichste körperliche und seelische Symptome nach sich ziehen kann.

Dein Gehirn wird im Augenblick der Gefahr überflutet von Sinneseindrücken und Informationen, die es nicht verarbeiten kann. Das, was passiert ist, wird nicht als zusammenhängendes und vergangenes Ereignis im entsprechenden „Gehirn-Regal“ abgelegt. Stattdessen besteht die Erinnerung aus fragmentierten Bruchstücken, die dich unerwartet in Form von Flashbacks „überfallen“ können und sich so schlimm anfühlen, als passiere das Ereignis genau jetzt.

Welche Situationen können ein Schocktrauma auslösen?

Je nach bisherigen Lebensumständen und Erfahrungen, gibt es sehr viele Situationen, die sich traumatisch auswirken können. Schocktrauma gibt es häufiger, als du vielleicht denken magst. Einige mögliche Auslöser habe ich hier aufgelistet:

  • Verkehrsunfälle
  • Sportunfälle
  • Stürze
  • medizinische Untersuchungen oder Behandlungen
  • eine medizinische Diagnose
  • Verlust eines nahestehenden Menschen
  • ein Überfall
  • ein sexueller Übergriff
  • ein Einbruch
  • eine Kündigung
  • Augenzeuge eines Unfalls oder eines anderen schlimmen Ereignisses zu sein
  • Naturereignisse wie Flutkatastrophen oder Erdbeben

Woran erkennst du, ob du traumatisiert bist?

Mögliche Symptome sind:

  • Flashbacks sind häufig Anzeichen eines Schocktraumas. Flashbacks sind Erinnerungsfetzen, die durch äußere Reize, wie Geräusche oder Gerüche, getriggert werden können. Wenn du z. B. das gleiche Lied im Radio hörst, was im Augenblick des Unfalls lief. Oder etwas riechst, das dich an die Situation erinnert.
  • du fühlst dich nicht mehr wie du selbst, bist wie betäubt
  • Kontakt zu anderen fällt dir schwer.
  • Gleichgültigkeit gegenüber Menschen oder Dingen, die dir vorher wichtig waren
  • du hast Albträume
  • innere Aufregung und Anspannung mit Herzrasen und flachem Atem
  • du kannst nicht mehr schlafen
  • du bist unkonzentriert
  • du verdrängst das, was geschehen ist und vermeidest z. B. die Kreuzung, an der der Unfall geschah oder gehst nicht mehr zum Sport, wenn es sich um einen Sportunfall handelt
  • du entwickelst Ängste, eine Depression oder Schmerzen

Traumasymptome werden nicht durch das äußere Ereignis verursacht. Sie entstehen, wenn überschüssige Energie nach dem traumatischen Ereignis nicht aus dem Körper entladen wird. Diese Energie bleibt im Nervensystem gebunden und kann auf Körper und Geist verheerende Auswirkungen haben.

Peter Levine

Somatic Experiencing bei Schocktrauma

Ein Schocktrauma löst sich nicht von alleine auf. Daher empfiehlt es sich, dir professionelle Hilfe zu holen. Als Somatic Experiencing Therapeutin möchte ich dir hier gerne kurz diese körperorientierte Methode vorstellen, die sehr wirkungsvoll helfen kann. Es gibt natürlich weitere therapeutische Verfahren, über die ich aber nicht viel sagen kann. Informiere dich da gerne im Internet.

Mit Somatic Experiencing greife ich die unvollendet gebliebene Stressreaktion deines Körpers auf. Statt zu viel, zu schnell und zu plötzlich möchte ich deinem Körper und deinem Gehirn helfen, neue Erfahrungen zu machen. Das Ereignis in kleinen Einheiten aufteilen, das Geschehen verlangsamen und dir Zeit zum Orientieren geben. Dein Körper und dein Gehirn dürfen lernen, dass die Situation wirklich vorüber ist und du jetzt in Sicherheit bist.

Fazit: Schocktrauma gibt es häufiger als du denkst

Ein Schocktrauma kann jeden treffen, nicht nur Menschen in Kriegsgebieten oder bei Naturkatastrophen. Alltäglich Situationen, die dich in große Angst und Hilflosigkeit versetzen, können dazu führen, dass du ein Trauma entwickelst.

Wenn es dir nach einem Ereignis schlecht geht und auch nach Wochen keine Besserung eintritt, ist es sinnvoll darüber nachzudenken, ob du möglicherweise ein Trauma davon getragen hast. Ohne diese Erkenntnis, kannst du dir keine Hilfe holen. Dein innigster Wunsch ist vermutlich, die ganze Angelegenheit möglichst schnell zu vergessen, aber es kann lohnend sein, dich dieser schmerzlichen Erfahrung zuzuwenden.

Schreib mich gerne an, wenn du zu diesem Text Fragen hast.

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Stefanie Wittiber-Schmidt

Heilpraktikerin, Somatic Experiencing, Rolfing Strukturelle Integration, Integrale Somatische Psychologie

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